Forschergruppe „Philologie des Abenteuers“
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Jahrestagung „Triebökonomien des Abenteuers“

Am 24. und 25. Januar 2020 findet im IBZ München die zweite Jahrestagung der Forschungsgruppe statt. Im Zentrum stehen dabei die „Triebökonomien des Abenteuers“.

24.01.2020 – 25.01.2020

Das Abenteuer ist eine Art Matrix für Phantasieprozesse. Wer aufbricht, um es zu suchen, der folgt nicht allein den Gesetzen der Realität, sondern er wird auch durch – unbewusste – Wunschenergien gesteuert, durch das Begehren nach Macht und Eroberung, nach Reichtum oder sexueller Befriedigung. Die Erwartung des Unerwartbaren, die Herausforderung durch das, was man nicht kennt, durch Zufall und Kontingenz, die Bewährung im Kampf mit der fremden Welt sind Teil dieser Ökonomie, die die ›Lust am Abenteuer‹ als Form des Erlebens ausmacht.

Doch ist das Abenteuer nicht nur eine Erlebnisform, sondern auch eine Form des Erzählens: ›Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen‹. Das heißt auch, dass man im Licht von bereits Erzählten und noch zu Erzählenden ›erlebt‹. Welchen Wirklichkeitsbezug hat diese Erzählform? Ging es in Abenteuergeschichten immer schon um das, was Freud »psychische Realität« nannte? Folgt ihre Verknüpfung einer Logik des Phantasmas oder des unmittelbar wunscherfüllenden Tagtraums? Auch der eigentliche Traum als Organisationsprinzip von Handlung und Lebenserfahrung mag für die Erschließung des Phänomens in Frage kommen.

Damit verbinden sich Fragen, die auf die Formbestimmungen und -wirkungen der Abenteuererzählung zielen. Wie kann eine Erzählung mit einem mehr oder weniger garantierten guten Ende spannend sein? In welcher Weise interagieren teleologische und episodische Formvorstellungen miteinander? Wie die Abenteuerlust (auf der Ebene der ›histoire‹) und die Erzähl- bzw. Leselust (auf der Ebene des ›discours‹)? Spannungsmodelle wie die Prüfung oder der Aufschub einer ersehnten Erfahrung (mit ihren psychologischen Grundlagen von Angstlust und Vorlust) scheinen dabei zentral zu sein und machen möglicherweise bestimmte Typen der Abenteuergeschichte zur geeigneten (männlichen?) Adoleszenz-Lektüre. Aber auch Formelemente wie die Episode, die Serie, die Verflechtung (entrelacement), die Wiederholung oder der Cliffhanger gehören zur Formensprache der zu untersuchenden Triebdynamiken.

Fragen nach der textlichen Verfassheit solcher Erzählstrukturen stehen im Zentrum der Tagung »Triebökonomien des Abenteuers«. Sie bewegen sich um die libidinöse Verfassung bzw. Organisation des Abenteuers, um das, was man im weitesten Sinne sein narratives Begehren nennen könnte: eine Konstellation von Erleben, Erzählen und Lesen, die sich kaum je scharf voneinander trennen lassen.

Das Tagungsprogramm folgt zu Beginn des Wintersemesters.