Forschergruppe „Philologie des Abenteuers“
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Die Forschungsgruppe

Fragestellung

Der Begriff ‚Abenteuer‘ bezeichnet einen elementaren Nukleus des Erzählens – ‚elementar‘ sowohl im narrativen als auch im psychologischen Sinn. Unter den Grundbegriffen des Literarischen nimmt er eine Sonderstellung ein, weil er zum einen genuin narrativ, zum anderen (seiner Herkunft nach) in entscheidenden Aspekten mittelalterlich ist. Das so bezeichnete Erzähl-, Wahrnehmungs- und Erfahrungsschema hat sich, allen kritischen Einsprüchen zum Trotz, als extrem anpassungsfähig erwiesen, immer neue Renaissancen erlebt und immer neue Bereiche der Kultur durchdrungen (z. B. Film, Computerspiel, Werbung, Tourismus). In solchen Übertragungen wird der ursprünglich narrative Charakter des Abenteuers häufig nicht mehr mitgedacht.

Da dieser Charakter textuell vermittelt ist, bedarf es einer Philologie des Abenteuers, um diesem den ihm gebührenden Platz in der Anthropologie des Erzählens zuzuweisen. Abenteuer sind Bahnungen im Gestrüpp der Kontingenz. Sie verlangen nach einer Reflexion über Zufall und Schicksal, über Wagnis, Risiko und Ereignishorizonte des Erzählens, über Sinnansprüche und Techniken der Sinnbildung. Auf einer phänomenologischen Ebene angesiedelt, vermag der Begriff Abenteuer außerdem Fragestellungen an sich zu ziehen, die die libidinöse Erfahrung des Narrativen betreffen und sich im gängigen Vokabular der strukturalen Erzählanalyse nicht vollständig adressieren lassen. Dagegen verspricht das hier vorgeschlagene Forschungsprogramm Einblicke in die triebhaften Grundlagen des Erzählens und Lesens. Dementsprechend wird die Forschungsgruppe neben einem historischen, einem erzähltheoretischen und einem fiktionstheoretischen auch einen literaturpsychologischen Schwerpunkt setzen.

Organisation

Die Forschungsgruppe „Philologie des Abenteuers“ wurde im Dezember 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für eine erste, dreijährige Förderphase bewilligt und hat im April 2018 ihre Arbeit aufgenommen. Sie versammelt insgesamt neun Forschungsprojekte zu Konstellationen des abenteuerlichen Erzählens, die gemeinsam einen weiten historischen Bogen von der Spätantike bis ins 20. Jahrhundert schlagen. Beteiligt sind die Fächer Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Germanistik, Anglistik, Romanistik, Slavistik sowie Religionswissenschaft. Acht der Projekte sind an der Ludwig-Maximilians-Universität München angesiedelt, eines an der Freien Universität Berlin.